Kreta - Am Anfang
Letzte Woche bin ich gemeinsam mit Jonas am Flughafen von Heraklion gelandet. Der Anfang unseres zweiwöchigen Urlaubs und gleichzeitig der Anfang meines fünfmonatigen Aufenthalts auf Kreta. Ein Traum, der schon lange da war, wurde plötzlich ganz real. Und seitdem fühlt es sich auch genau so an. Die Dinge, die mich früher stark mit Vorfreude und Hoffnung erfüllt hatten, wurden plötzlich Wirklichkeit. Die Erfahrung machen zu dürfen, allein zu leben, mich selbst von einer neuen Seite kennenzulernen und so viele neue Erfahrungen zu sammeln, bedeutet mir unglaublich viel.
Wer bin ich jetzt und wer werde ich in fünf Monaten sein?
Ich war im ersten Moment sehr enttäuscht, als wir in Heraklion ankamen. Chaos, lauter Verkehr und alles etwas heruntergekommen. Trotzdem hatte ich die Zuversicht, dass es gut werden würde. Ich wusste, dass ich mich hier einfühlen und in Heraklion mein neues Zuhause finden würde. Bald würde mein Semester losgehen. Noch stand ich im Dunkeln, aber ich vertraute darauf, dass sich bald alles öffnen würde. Ich hatte keine Zweifel, sondern wollte Vertrauen in meinen Weg haben. Dankbar für all die Unterstützung, die ich erhalten hatte, konnte dieses neue Kapitel beginnen.
Das Ankommen
Am 7. September 2026 sind Jonas und ich gemeinsam nach Heraklion geflogen. Der Flug ging schon um 6:30 Uhr. Gegen 11 Uhr kamen wir auf Kreta an. Wir hatten nur eine kurze Zeitverschiebung, aber trotzdem fühlte sich alles sofort anders an. Am Flughafen war es zunächst ziemlich chaotisch und etwas überfordernd. Nachdem wir unseren Mietwagen gefunden hatten, stellte sich heraus, dass unser Auto ganz anders war als gedacht. Nach etwas Verhandlung bekamen wir schließlich ein anderes Fahrzeug, das sich später als perfekter Begleiter für unser Abenteuer herausstellen sollte. Mit unserem kleinen Mietwagen ging es direkt in die Stadt. Ein gutes Frühstück wartete auf uns und natürlich durfte auch mein erster Freddo Cappuccino nicht fehlen. Danach fuhren wir in mein neues Zuhause, wo wir bereits erwartet wurden. Die Wohnung war kleiner, als ich sie mir vorgestellt hatte, aber ich wusste trotzdem, dass ich es mir hier gemütlich machen würde. Eigentlich wollten wir am selben Tag noch etwas unternehmen. Doch plötzlich lagen wir im Bett und schliefen bis abends. Wir waren einfach völlig erschöpft. Später verbrachten wir den restlichen Abend entspannt in meiner Wohnung und erkundeten noch ein wenig die nähere Umgebung. Meine Uni lag nur 10 Minuten entfernt.
Am nächsten Tag stand etwas mehr Sightseeing auf dem Plan. Wir besuchten das Archäologische Museum und machten danach einen Abstecher ans Meer. Das Wasser war stürmisch und beängstigend, aber mit Jonas an meiner Seite traute ich mich dann trotzdem reinzugehen.
Am Abend ließen wir den Tag entspannt auf der Couch ausklingen.
Start des Roadtrips
Am 9. September startete unser Roadtrip. Gegen 13 Uhr fuhren wir Richtung Osten, immer an der Küste entlang. Unser erster Halt war „Kalo Chorio“, ein wunderschöner Strand mit türkisfarbenem Wasser. Ein kurzer Spaziergang entlang des Strandes führte uns weg von den Menschenmengen und unter einen schönen Olivenbaum, der uns den perfekten Schatten spendete. Der Blick aufs Meer, eine angenehme Brise und die perfekte Wassertemperatur machten den Moment besonders. Dort beobachteten wir den Wellengang und fuhren später weiter. Ich ging sogar allein ins Wasser und inspirierte eine Zeichnung ,,Pauli allein im Meer“, festgehalten von Jonas.
Am Abend fuhren wir nach Sitia, wo wir unsere erste Nacht im Hotel verbrachten.
Am nächsten Morgen wurden wir frühstücksmäßig verwöhnt und starteten anschließend weiter. Unser nächstes Ziel war ein wunderschöner Naturstrand "Nudist Beach", an dem wir die Seele baumeln lassen konnten. Später besuchten wir noch einen Dattelpalmenwald, der allerdings etwas enttäuschend und ziemlich touristisch war.
Danach fuhren wir weiter nach Kato Zakros. Dort gingen wir in eine Taverne essen und verbrachten unsere erste Nacht im Auto. Jonas schlief als Profi, während ich als Neuling und Angsthase versuchte, mich an die ungewohnte Situation zu gewöhnen. Der Sternenhimmel an diesem Abend war allerdings atemberaubend. Wir sahen unzählige Sterne und sogar mehrere Sternschnuppen. Einige meiner Wünsche sind rückblickend tatsächlich in Erfüllung gegangen. Das Auto erwies sich als gemütlicher Schlafplatz. Ich war zwar etwas paranoid wegen der Geräusche, schlief irgendwann aber doch ein und wachte am nächsten Morgen zu einem wunderschönen Sonnenaufgang auf. Direkt neben unserem Schlafplatz lag eine kleine private Bucht, in der wir uns wuschen und im Meer schwammen. Danach machte ich Yoga am Strand und wir frühstückten mit Meerblick.
Natur, Höhlen und besondere Begegnungen
In der Nähe gab es eine Wanderung zu einer Schlucht mit Höhlen, in denen früher die Minoen ihre Toten begruben. Es war viel zu warm zum wandern und die Stimmung dementsprechend auch nicht so gut. Später akklimatisierten wir uns in einer Taverne.
Weiter fuhren wir durch die Berge und kamen wieder in die Nähe des Meeres. Nach einer sehr schönen und emotionalen Dusche am Strand aßen wir am Abend in einem wunderschönen Restaurant. Wir kamen mit dem Kellner ins Gespräch und er schenkte uns eine Karaffe mit Raki
und ein traditionelles Dessert. Geschlafen wurde später wieder im Auto, auf einem recht dunklen, dubiosen Stellplatz. Die Stimmung war etwas angespannt, doch nach einem Gespräch unter dem Sternenhimmel war die Verbindung wieder hergestellt.
Der nächste Tag war wieder ein Strandtag. Für zwei Deutsche aus Berlin das absolute Urlaubsfeeling. Das türkisblaue Meer war wieder einmal ein Highlight. Abends ging es weiter nach Matala, genauer gesagt in ein veganes Restaurant. Das fühlte sich wie ein Hippie-Treffen an. Das Essen war fantastisch, begleitet von eisgekühltem Bier und Live-Musik. Danach schliefen wir wieder im Auto.
Ein kleiner Zwischenfall
Am nächsten Morgen wollten wir erneut ins Meer und hatten gehofft, dass die Stranddusche funktionieren würde. Doch das Meer machte nicht sauberer und auch die kleine Hygieneroutine mit Shampoo musste irgendwie improvisiert werden. Zum Glück gab es nur wenige Minuten entfernt einen Campingplatz, auf dem wir uns endlich richtig duschen konnten. Ohne dabei auf die Verwendung von Seife und Shampoo zu verzichten.
Danach fuhren wir weiter nach Agia Galini. Dort suchte mich eine ein-Tagesgrippe heim, weswegen ich dankbar war, als wir im Hotel ankamen und ich den restlichen Tag/ Abend in der waagerechten verbringen konnte.
Jonas hatte es vorausgesehen: Schon am nächsten Tag war ich wieder genesen. Wir machten einen Ausflug auf eine nahegelegene Kräuterfarm, mit deren Heilmitteln (Bergoreganoöl und griechischer Mountain tea) ich dann auch zu 100 Prozent gesund wurde. Trotz meiner Besserung machten wir uns einen ganz entspannten Tag am Meer und besuchten am Abend einen Tischler in den Bergen. Wir kamen mit ihm ins Gespräch und er erzählte uns Geschichten aus seinem Leben. Wir verabschiedeten uns und freuten uns auf den nächsten Tag.
Ein Tag voller kleiner Entdeckungen
Der nächste Tag schenkte uns viele schöne Gespräche. Mit dem Paar, dem das Hotel gehörte, und später noch nach einer langen Konversation mit Costa, dem Tischler, der erst seit ein paar Monaten aus dem Gefängnis entlassen war und über 40 Katzen auf seinem Grundstück beherbergte. Danach folgten wir der Karte Richtung Wasserfälle und entdeckten auf dem Weg einen Botanische Garten, unscheinbar und gleichzeitig wunderschön. Dort gab es Kräuter, Heilpflanzen, Kakteen und sogar Mineralien. Das absolute Highlight war jedoch das Restaurant am Ende. Dort gab es eine Vielzahl an veganen Speise, angerichtet mit Produkten aus eigenem Anbau. Danach stöberten wir noch lange in dem dazugehörigen Shop, ein kleiner Zauberladen und ich fand nach langem Suchen endlich meinen zeremoniellen Kakao.
Mit einer tollen Ausbeute ging es später als erwartet zu unserem eigentlichen Ziel, den Kourtaliotiko-Wasserfällen. Das Wasser war unglaublich erfrischend. Am Abend war es deutlich leerer und wunderschön. Das Wasser hatte nur etwa 11 Grad, was es zu einer süßen Abkühlung vom Meer machte. Jonas schwamm zu einem versteckten Spot, während ich mich mit dem Anblick und der Atmosphäre zufriedengab. Wir machten noch viele Fotos, bevor wir den Ort wieder verließen.
Durch Zufall ging es anschließend zurück zu unserem Parkplatz, von dem aus wir einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten konnten. Da wir sowieso noch einen Schlafplatz benötigten, blieben wir einfach dort. Es wurde dunkel, unser Auto verwandelte sich wieder in eine gemütliche Höhle und der Sternenhimmel war erneut spektakulär. Wir sahen sogar die Milchstraße. Geweckt durch ein starkes Unwetter, das wir vom Auto aus beobachten konnten, machten wir es uns schließlich gemütlich und verbrachten so die restliche Nacht.
Chania
Am nächsten Morgen wachten wir auf und sahen fremde Menschen, die die Aussicht neben unserem Auto genossen. Für Frühstück ging es für uns zurück ins Restaurant der Botanischen Gärten, wo wir lange Zeit verbrachten.
Jonas wünschte sich, einige Quellen zu besuchen, die er auf Maps gefunden hatte. Eine Stunde Autofahrt später waren wir allerdings etwas enttäuscht. Die Quellen waren hübsch, aber umbaut von Tavernen. Das Highlight war schließlich eine Katze, die sich auf unseren Schoß setzte. Die Nacht verbrachten wir wieder in einem Hotel in der Nähe von Chania.
Frühstück gab es in einem Café, danach zu einem Friseur, der uns ein paar Tipps für unsere Reise gab, unter anderem eine Bar mit offenem Dach in Chania mit leckeren Cocktails, die wir am selben Abend besuchten.
Den restlichen Tag verbrachten wir in der Altstadt, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang am Leuchtturm mit Blick aus Meer und die Berge. Geschlafen haben wir dann im Anais Resort, mit kostenlosem Zimmerupgrade! Ein willkommener Luxus nach unserem doch sehr abenteuerlichen Urlaub. Ich habe lange nicht so gut geschlafen, wie in dieser Nacht, sodass wir uns entschieden, direkt noch eine länger zu bleiben. Wir nutzten die Zeit am Pool, im Gym und genossen auch diese Form von Urlaub sehr. Zum Sonnenuntergang ging es noch einmal ans Meer, an einen etwas abgelegenen Strand im Westen.
Erholt und ausgeglichen ging es am nächsten Morgen für Frühstück noch einmal kurz in die Stadt und danach zurück nach Heraklion in meine Wohnung.
Das letzte Abenteuer
Schon lange war es ein großer Wunsch von uns gewesen, gemeinsam zu segeln. Das beste am Schluss - wir buchten einen Segelten vom Hafen Heraklions zu einer Bucht auf einer Nahegelegenen Insel ,,Dia". Vier Stunden lang glitten wir über das Meer und badeten in einer Türkisen und klaren Bucht. Am Ende gab es wieder einmal einen magischen Sonnenuntergang und viele romantische Momente.
Das Ende
Diese zwei Wochen gaben mir genau das was ich mir gewünscht hatte. Eine Mischung aus Abenteuer und Erholung, aus neuen Menschen, besonderen Orten, Natur, Meer und ganz vielen kleinen Momenten, die ich wahrscheinlich noch lange in Erinnerung behalten werde. Ich habe in dieser Zeit gemerkt, wie sehr mir diese Mischung aus Abenteuer und Erholung guttut. Ich durfte Neues ausprobieren, mich selbst ein Stück besser kennenlernen und gleichzeitig einfach einmal loslassen. Wenn ich heute an die letzten zwei Wochen zurückdenke, fühlt es sich fast unwirklich an, dass all das schon passiert ist. Gleichzeitig fühlt sich meine neue Wohnung in Heraklion immer mehr wie ein Zuhause an. Danke an Jonas für diese unvergessliche Zeit. ♡